Hab letztens im Deutschlandfunk eine Sendung über ein saugeiles Bigbandprojekt gehört. Ich dachte mir fliegen die Ohren weg! Alter!! The Dorf!!! Hier geht die Post ab. Aber die können von ihrem international anerkannten Bigband-Free-Jazz (Opener beim Moers Jazz Festival - einem der weltweit bekanntesten)  nicht mal ihre Miete bezahlen. Aber das sollte sich bald ändern. Ein gut aufgenommenes Video habe ich nicht gefunden. Musik gibt es aber hier, zum free anhören.

The Dorf

Original

Geniale Kopie!!

Old School Hip Hop, Yeah!! Ich habe keine Ahnung davon, aber das gefällt mir besser als das bedeutungsschwere geigengetränkte Zeugs der letzten Jahre.

http://www.dailymotion.com/embed/video/x9lkrd_beastie-boys-sure-shot_music
Beastie Boys – Sure shot von gotnofx

Cooler Style, lustiges video, ganz gute mucke.

Kurt’s Erben:

Ich sage nur: Cooles Video, coole Mucke, cooler Style.

O.K. noch eins: Other Lives – eine Band, die mir schonmal aufgefallen ist. Super, wie die mit Streichern voll perfekt live spielen. Okay die scheinen in den US echt groß zu sein – touren mit RADIOHEad.

Das nimmt heute gar kein Ende, wieder so eine Superband. Trampled by Turtles machen Hammer-Countryfolk. Wie kann man so fette Musik machen?!!! Tja, Deutschland steht glaub ich nicht auf dem Tourplan…  Das ist übrigens auch eine Hearya-Livesession.

 

 

Seitdem Delicious meinen Account gelöscht hat, nachdem ich über vier Monate nichts gepostet habe, nutze ich mein Blog jetzt als Link-Reminder (ziemlich blöd von delicious, denn man könnte ja auch mal 5 Monate durch Sibirien touren und so lange nicht im Netz sein – so eine Angebot ist unbrauchbar für mich). Blog-Anbieter sind ja daran interessiert, dass Inhalte über lange Zeit im Netz bleiben, hoffe ich zumindest.  Also poste ich jetzt quantitativ viel, nur um mir Dinge zu merken. Zum Beispiel “Pickwick” – eine Soulband aus Seattle, die im Radiosender(?) KEXP live gespielt hat. KEXP stellt ähnlich wie hearya (siehe letzter post) Topquality-Aufnahmen von Live-Performances  ins Netz. Der Unterschied hier ist, dass das ganze vor Publikum stattfindet. Pickwick klingen nicht absolut revolutionär, machen aber super sauberen 70er Soul, den sie mit 2010er Indieklängen kreuzen. Begrüßenswert, dass sie einen geanze Horde für Shaker / Schellenring abgestellt haben.

Little Hurricane” machen angesichts ihrer Soundfülle den Eindruck einer klassische Bandformation (mindestens Gitarre, Bass, Schlaggzeug). Schaut man sich dann die Videos an, sieht man, dass es nur zwei sind: Eine Schlagzeugerin und ein Sängergitarrist. Sie spielt das Schlagzeug so offen, dass der Klang echt voll wird und der Gitarrensound ist bassig genug, um das Arrangement zu tragen. Ein übriges tun die von beiden  unisono gesungenen Stimmen. Respekt! Auch wenn die Songs nach ein paar Minuten etwas eintönig werden, sind Sound und Stimmung echt gewaltig. Die Aufnahe ist live , denn dies ist das Konzept des Musikblogs Hearya, von dem ich die Videos habe. Dort spielt jede Woche eine Band im Studio. Die Aufnahme werden dann online veröffentlicht. Nettes Konzept.

Auch so wer noch mehr zu Littee Hurricane wissen will: Der Post bei Hearya ist ganz informativ und ein Beispiel dafür, dass man über Aushänge geeignete musikalische Mitstreiter finden kann.

Soll sie doch kommen die Katastrophe, dachte er sich und stieg trotzig in seinen alten VW-Bus, den er seit Studententagen besaß. Von jetzt an wird er für nichts und niemand anderen da sein, als für sich selbst. Vorher hatte er alles gepackt, was er für seine Flucht, den Ausbruch aus seinem alten, falschen Leben, wie er es nannte, brauchen würde: Schlafsack, Kleidung und was sonst für eine weite Reise wichtig ist. Zum Glück sprang die alte Kiste an, nachdem sie Jahre lang an der Straße vor sich hingegammelt hatte. Er fuhr zunächst die zwanzig Kilometer bis zum Meer, setzte sich an den Strand und blickte auf die abendliche Brandung. Dabei drehte er sich das erst mal seit über zehn Jahren wieder eine Zigarette und dachte beim Rauchen darüber nach, was eigentlich passiert ist.

Es begann mit einem dieser typischen Gespräche, die er unzählige male mit ihr hatte: Er bringt seine Wut, sein tiefe Trauer über die Dinge, wie sie gelaufen sind, zum Ausdruck – Sie in ihrer Art versucht alles positiv zu wenden. Sie konnte ihn nicht verstehen. Wer konnte das schon. Sie sagte ihm, dass jetzt, wie sie beide immer geglaubt hatten, Gottes Weg, Gottes Ziel, Gottes Plan für sein Leben „sich erfüllen“ werde. Es gruselte ihm so sehr bei ihren Worten, dass er, ohne nur einen Ton zu sagen und ohne seine beiden kleinen Mädchen noch einmal anzublicken, seine Sachen packte und die Wohnung verließ. Ihre Tränen konnten ihn nicht mehr anrühren. Etwas ist erkaltet in ihm in den letzten Jahren.

Natürlich liegt das daran, wie äußerst ungünstig alles verlaufen war, dachte er sich. Hätte er nicht als einziger Volkswirt in seinem Institut beständig an den Verheißungen des freien Marktes gezweifelt, hätte er eingestimmt in den Lobpreis der freien Wirtschaft und in die an Staat, Recht und Gemeinschaft gerichteten Flüche der Wirtschaftswissenschaft, dann hätte er mit seinen Fähigkeiten womöglich längst Karriere gemacht. Mit seinem kritischen Modell der Marktwirtschaft war er abgeschrieben, zumindest hier in Island. Er konnte von Glück reden, dass er wenigstens auf Stundenbasis in der Bibliothek der Instituts für Ökonomie der Universität Reykjavik arbeiten und so seine junge Familie durchbringen konnte. Die täglichen Demütigungen ließen ihn den Glauben an sich selbst, an die Richtigkeit aller seiner Entscheidungen inklusive der Beziehung zu ihr und schließlich auch den Glauben an Gott verlieren, der ihm früher einmal so wichtig gewesen war. Der Pastor in seiner Kirche sagte immer, Gott habe „einen Plan für jeden für uns“, „einen Platz im Leben“. Er hat uns „für einen bestimmten Zweck erschaffen“, für den Zweck ihn zu verherrlichen. Diese Gedanken erschienen ihm so zynisch und erfüllten ihn um so mehr mit Wut, je auswegloser er seine Lage wahrnahm. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er diesem falschen Leben endlich absagen würde. Dazu gehörte auch das gekünstelte Familienidyll, was von den anderen Christen ständig propagiert wurde. Es war schon lange Zeit für den Ausbruch. Hier ist er, dachte er sich und bekam dabei tatsächlich so etwas wie eine positive Stimmung.

Der Anlaß für das Gespräch mit ihr heute war, dass ihn letztes Wochenende trotz allem sein Forschergeist gepackt hatte und er sich wieder seinem marktkritischen wirtschaftlichen Prognosemodell widmete, an dem er schon so lange – freilich ohne etwas dafür zu bekommen – arbeitete. Als er damit die aktuellen volkswirtschaftlichen Daten auswertete, entdeckte er erstaunliches: Sollten seine Annahmen stimmen, würde es in Kürze, dass heißt in spätestens drei, vielleicht aber schon in einem Jahr, eine Katastrophe geben. Island steht vor dem Staatsbankrott, vor dem totalen Zusammenbruch. Davon war er überzeugt. Nur mit entschlossenem Handeln konnte man jetzt noch das Schlimmste abwenden. Man müßte die aufgeblasene Finanzwirtschaft vorsichtig abwerten, ein anderes ökonomisches und soziales Gleichgewicht herstellen. Aber wer glaubt einem arbeitslosen Ökonomen? Vorsichtig wollte er heute vormittag seine erstaunlichen Ergebnisse einem Forscher im Institut zeigen, mit dem er sich schon öfter mal gut unterhalten hatte und den er für etwas offener einschätzte. Der sagte ihm aber, dass er in den nächsten Wochen viel zu tun hätte und vertröstete ihn. Dies machte ihm seine ganze ausweglose Lage wieder schmerzlich bewußt.

Die einzige Person, die während der ganzen Zeit an ihn glaubte, war sie. Sie ermutigte ihn, es bei allen nur erdenklichen Stellen zu probieren, Gehör für seine Erkenntnis zu bekommen. Sollte Gott sich ihm auf diese Weise zuwenden, wie sie sagte? War es nicht nur christlich-fundamentalistischer Aberglaube, dass Gott direkt in unserem Leben wirkt und uns gebraucht? Aber er wollte davon nichts mehr wissen. Er war über die Jahre innerlich erkaltet, für Gott, falls es ihn überhaupt gab, und für sie.

Mit dem Geld, das er von seinen Eltern geerbt hatte und das eigentlich als Notgroschen für noch schlechtere Zeiten vorgesehen war, bezahlte er seine Reise, die auf einer Fähre nach Spanien begann. Das Geld würde ja ohnehin bald nichts mehr wert sein, wie er prognostiziert hatte. Wenn ihm schon niemand seine spektakuläre Voraussage glaubte, sollte dies wenigstens der Anlaß sein, das Leben zu leben, das er eigentlich leben will und das wird alles andere als christlich sein. Ein linker Ökonom, der gleichzeitig Christ ist – das hat von vornherein nicht gepaßt. Er will in irgendwelchen linken Kommunen in Spanien ein neues Leben beginnen.

Nachdem er mit seinem alten Gefährt als letzter auf der Fähre angekommen war, stieg er aus und ging zur Schiffsreling. Wie lange war er schon nicht mehr auf dem offenen Meer gewesen? Das roch gewaltig nach Freiheit. Kurz darauf sprach ihn eine junge Spanierin auf seinen alten Bus an und sie begannen ein vertieftes Gespräch. Das sein neues Leben so schnell Wirklichkeit werden würden, hatte er sich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen ausgemalt. Man kann sagen, er spürte das erste mal seit Jahren so etwas wie Glück.

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